Autoren beginnend mit H

- Paul Johann Ludwig von Heyse (1830 - 1914 ) -

Herkunft: Berlin, Deutschland

Paul Johann Ludwig von Heyse,geadelt 1910, war ein deutscher Schriftsteller.

Seine nach eigenem Modell geschriebenen Novellen machten ihn bekannt. 1910 wurde er als erster deutscher Autor belletristischer Werke mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Erwähnenswert ist auch, dass Heyse von München aus den besten Autoren seiner Zeit Hilfe und Freundschaft bot. Er war es, der den schwäbischen Dichter Hermann Kurz immer wieder ermunterte und schließlich, nach dessen Tod, 1874/75 die Gesamtausgabe zusammenstellte. Theodor Storm verdankte ihm den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst von 1883, die wichtigste Auszeichnung, die der Schriftsteller zu seinen Lebzeiten entgegennehmen konnte. Für Fontane versuchte er, bei dem bayrischen König Maximilian II. einen Posten zu vermitteln.

Diesen beiden Älteren war Heyse bis zu deren Tod ein ebenbürtiger Partner. Manuskripte wurden ausgetauscht und kritisch begutachtet. Anregungen für neue Novellen, aber auch literaturtheoretische Diskussionen finden sich in vielen der Briefe. Dem Umfang nach wurde er Fontanes zweitwichtigster Briefpartner und der wichtigste für Storm und den Dichter Emanuel Geibel. Jakob Burckhardt und Gottfried Keller korrespondierten mit ihm in der Schweiz. Die Kontakte reichten in alle literarischen Provinzen Deutschlands.

Die Achtung vor seinem vielfältigen Werk konnten ihm auch viele jüngeren Schriftsteller nicht versagen: „Vielleicht nur noch Maupassant gab mir technisch und stilistisch so viel Vorbildliches wie Paul Heyse“, schrieb Ludwig Ganghofer. „Vor mancher Seite seiner Bücher, auf der ich einen erregten Vorgang geschildert fand, konnte ich halbe Tage lang sitzen und nachgrübeln, wie er das fertig brachte: mit den ruhigsten Worten die stärkste Bewegung zu schildern.“

Heyse war ein Vorbild, ein Anwalt aller Dichter, der sich für die juristischen und sozialen Fragen seines Standes engagierte. Er war Kunstpapst und Mäzen. Zum eigenen Werk kam stets noch die Beschäftigung mit den Manuskripten anderer hinzu. Als ein Mittelpunkt des literarischen Lebens in Deutschland hat Heyse viel bewirkt, nicht nur in München und nicht nur für die Literatur. Allein darin besteht eine bleibende Leistung dieses „Dichterfürsten“.

Einen „Liebling der Musen“ hatte ihn Fontane einmal genannt. Noch mehr war Heyse ein Liebling Fortunas. Mit einem preußischen Staatsstipendium verlebte er ein glückliches Studienjahr in Italien. 1854, mit 24 Jahren, erhielt Heyse, damals noch ein talentierter, aber unbekannter Anfänger, vom bayrischen König Maximilian II. ein Angebot zur Übersiedelung nach München. Heyse bekam gegen eine jährliche Pension von zunächst 1000 Gulden, lediglich mit der Auflage, in den Zeiten des Jahres, in denen sich der König in seiner Hauptstadt aufhielt, nach München überzusiedeln und zu dichten.

Vorausgegangen war seine Bekanntschaft mit dem damals populären Dichter Emanuel Geibel, dem er als Schüler 1846 in Berlin seine Gelegenheits- und Liebesgedichte vorgezeigt hatte. Zwischen beiden entwickelte sich ein freundschaftliches Lehrer-Schüler-Verhältnis, das sich für kurze Zeit lockerte, als der Lübecker Geibel 1852 zum literarischen Ratgeber Maximilian II. von Bayern berufen wurde. Geibel überredete den König zur Einladung an den jungen Heyse. Er sollte in München möglichst viel dichten und an den „Billard“-Abenden, den als Symposien berühmt gewordenen, königlichen Gesprächsrunden teilnehmen. Bei diesen Treffen saß der junge Dichter gleichberechtigt neben Geibel und Friedrich Bodenstedt, neben den besten Wissenschaftlern Münchens wie dem Chemiker Justus von Liebig, dem Philologen Friedrich Thiersch, den Historikern Heinrich von Sybel und Wilhelm Heinrich Riehl oder dem Arzt Max von Pettenkofer.

Wie sich später zeigte, hatte Heyse noch andere Aufgaben zu erfüllen. Er musste seinen Dienstherrn auf Reisen begleiten und bei den Teeabenden der Königin lesen. Bei diesen Gelegenheiten wurde er nicht viel besser behandelt als jeder Domestik. Nach den Misserfolgen seiner Dramen mit Themen aus der bayrischen Geschichte wie „Ludwig der Bayer“ blieb er wenigstens von Auftragswerken weitgehend verschont.

Mit der überraschenden Berufung durfte sich der 24-Jährige zur geistigen Elite des drittgrößten deutschen Teilstaates zählen. Er gehörte zu denen, die nach dem Wunsch des Königs dem bayrischen Volk das Dichten lehren sollten. Maximilian selbst zählte zu den eifrigsten „Studenten“. Er ließ die Sitzungen protokollieren, um die Themen anderntags noch einmal gründlich durchzugehen.

Die Symposiasten verkehrten häufiger und zwangloser mit dem König als mancher Minister. Neid und Missgunst auf die Bevorzugten musste unter diesen Voraussetzungen die einheimischen und berufenen Dichter auf Distanz halten. Die Münchner Presse zeigte mit ihren Angriffen gegen die Berufenen offen, dass der Landesvater ihrer Meinung nach vom protestantischen Bazillus infiziert sei und deshalb dringend andere Ratgeber brauche.

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