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- Hafes (um 1319 - um 1389) -

Herkunft: Schiraz, Iran

Hafes ist einer der bekanntesten persischen Dichter. Andere Schreibweisen: Hafis, Hafiz.

Sein voller Name Chadsche Schams al-Din Mohammad Hafes´e Schirazi (auch: Muhammad Schams ad-Din) beinhaltet auch den Namen seiner Geburtsstadt Schiraz. Da Hafes schon im Kindesalter den gesamten Koran auswendig gelernt hatte, erhielt er den Ehrennamen "Hafes" (jener der den Koran auswendig kann). Auch er selbst verwendete in seinen Gedichten fast ausschließlich den Namen Hafes.

Über sein Leben gibt es nur wenige gesicherte Daten. Das meiste sind legendenhafte Überlieferungen:

Der Vater Baha-ud-Din war Kohlenhändler und starb, als Hafis noch ein Kind war. Er hinterließ ihm und seiner Mutter hohe Schulden, doch haben seine Rezitationen des Koran den Sohn so sehr beeindruckt, dass er das Buch mit 8 Jahren auswendig konnte (daher erhielt er später den Ehrentitel Hafez). Früh wurde er auch mit den Werken von Molana (Dschalal ad-Din ar-Rumi) und Saadi vertraut gemacht sowie mit Attar und Nezami. Vermutlich erhielt er eine umfassende Ausbildung an einer Madrese; die Gedichtwidmungen und Panegyriken (Lobreden) weisen auf eine zeitige Verbindung mit dem Hof der Muzaffariden hin.

Hafis lernte zunächst das Bäckerhandwerk und übte es einige Zeit aus, bis er im Alter von 21 Jahren Attars Schüler in Schiraz wurde. Bei der Auslieferung von Brot und Backwaren in reichen Stadtvierteln lernte er seine „Muse“ Schach-e Nabaat kennen, deren Schönheit er viele Gedichte widmete. Er gewann bald an Bekanntheit und wurde Hofdichter von Abu Ishak sowie ein vielbeachteter Koranlehrer; er gehörte einem Sufi-Orden (Tariqa) an. Etwa 1333 eroberte Mubariz Muzaffar die Stadt und entließ ihn - für Hafis der Anlass, von der „Romantik“ auf Protestlieder überzugehen.

Als Mubariz von seinem Sohn Schah Schudscha' gestürzt und ins Gefängnis geworfen wurde, erhielt Hafis seine Stelle wieder. Bald darauf soll er aber ins freiwillige Exil nach Esfahan gegangen sein, weil er sich unsicher fühlte. Die Reise nach Esfahan ist jedoch umstritten, viele Quellen sprechen davon dass Hafes Schiras nie verlassen hat. Im Alter von 52 (das Jahr kann nur ungenau rekonstruiert werden) bat ihn der Schah, zurückzukehren, was er auch tat. Überliefert ist, dass Hafez mit 60 Jahren in einem Freundeskreis eine 40-tägige meditative Nachtwache begann, an deren Ende er eine Art Bewußtseinserweiterung erlebte und sich im Geiste nach 40 Jahren wieder mit Attar traf.

Neben Aufträgen für den Hof schrieb er auch gelehrte Werke.

Hafis starb im Alter von 69 Jahren als hoch geachteter Dichter seiner Zeit. Sein Grab in den Musalla-Gärten von Schiraz, die auch durch ihre Rosen bekannt sind, erhielt einen vielbesuchten Pavillon, genannt Hafesiejeh. In Deutschland wurde Hafes vor allem durch den West-östlichen Diwan (West-östlicher Divan, 1819) von Goethe sowie die Nachdichtungen Rückerts und die Übersetzung durch Joseph von Hammer bekannt. Der Diwan in gedruckter Ausgabe enthält 488 oder 489 als Original geltende Ghaselen, daneben auch einige Gedichte in anderen Formen. Hafes Werk wurde erst nach seinem Tod zusammengestellt und verbreitet und ist in zahlreichen voneinander in Verszahl und -anordnung sowie Wortvarianten abweichenden Handschriften überliefert. Hafes Ghaselen werden als formvollendet betrachtet. In vielen Ghaselen hängen mehrere Verse inhaltlich zusammen, doch kommen auch lose aneinandergereihte Gedankengänge vor. Zu den wiederkehrenden Themen gehören unerwiderte Liebe, Trennung und Sehnsucht, aber auch das Schwärmen für die Schönheit und Reize der angebeteten Person. Es gibt weiterhin Meditationen über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unentrinnbarkeit des Schicksals wie auch die Aufforderung zum Lebensgenuss, Kritik der religiösen Scheinheiligkeit und Verse mit Inhalten aus dem Bereich der Mystik. Während man seine Ghaselen in Europa oft wörtlich nahm, wurde er im persisch-islamischen Kulturkreis, wo insbesondere der Weingenuss als verboten bzw. als religiös unerwünscht galt, aber z.B. in Herrscherkreisen zeitweise gepflegt wurde und in der sufischen Dichtung schon lange vor Hafes allegorisch verstanden wurde, gerne in übertragenem Sinn gedeutet.

„Wer sich selbst und andre kennt wird auch erkennen orient und okzident sind nicht mehr zu trennen.“ Eingeweiht im Jahr 2000 durch den iranischen und deutschen Staatspräsidenten Mohammad Chātami und Johannes Rau erinnern die zwei Stühle an die Begegnung Goethes mit dem Werk des persischen Nationaldichters Hafis (1326-1390). Ein Symbol für kulturelle Toleranz. Es handelt sich hierbei um eine Schenkung der UNESCO an die Stiftung Weimarer Klassik.

Als "Der Diwan" des Hafis' in der Übersetzung von Hammer-Purgstall zum ersten Mal in die deutsche Sprache Eingang fand, gehörte Goethe zu seinen hingebungsvollsten Lesern. Das Werk befindet sich in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Im Dialog mit dieser reich kommentierten Ausgabe des Orientalisten und Diplomaten Joseph von Hammer-Purgstall (1774–1856) schrieb er ab 1814 seinen eigenen "Diwan".

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Verlange nicht nach Geld und Würden dieser Welt, die Würde ist ein Brunne...
Hafes
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