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- Lothar Bucher (1817 - 1892) -

Herkunft: Neustettin, Polen

Lothar Bucher war ein preußischer Beamter, Journalist und Politiker. Während der Revolution von 1848/49 stand er auf Seiten der Linken, stieg im Exil zeitweise zu einem viel gelesenen Journalisten auf und wurde später zu einem engen Vertrauten von Otto von Bismarck.

Bucher war Sohn des Gymnasiallehrers und Autors geographischer Schriften August Leopold Bucher. Er studierte Rechtswissenschaften in Berlin. Seit 1838 war er am Oberlandesgericht in Köslin beschäftigt. Im Jahr 1843 wurde Bucher Assessor am Stadt- und Landgericht in Stolp.

Im Jahr 1848 wurde er in die preußische Nationalversammlung gewählt. Er stand dort der Linken nahe und trug aus Protest gegen die Gegenrevolution den Steuerverweigerungsbeschluss mit. Im Jahr 1849 wurde er in die zweite Kammer des preußischen Landtages gewählt. Dort war er führend an der Aufhebung des Belagerungszustandes beteiligt, was dann zur Auflösung der Kammer führte. Bucher wurde wegen der Unterstützung des Steuerverweigerungsbeschlusses zu fünfzehn Monaten Festungshaft und den Verlust aller Ämter verurteilt.

Um der Haft zu entgehen ging er 1850 ins Exil nach London. Dort arbeitete er als Journalist. Unter anderem war er als Korrespondent der Nationalzeitung tätig. In seiner Londoner Zeit verfasste Bucher über 3 000 Korrespondenzberichten für die Zeitung und stieg zu einem der gefragtesten Journalisten des Blattes auf, die auch von Friedrich Wilhelm IV. und politischen Gegnern gelesen wurden. Insbesondere seine Berichte über die Weltausstellung von 1851 waren sehr erfolgreich. In einem Buch "Der Parlamentarismus wie er ist" kritisierte er 1855 den britischen Parlamentarismus. So sei das Mandat bei den Abgeordneten immer mehr der Vertretung eigener Interessen begriffen. Die Kritik richtete sich indirekt aber auch gegen die politische Opposition in Deutschland, die sich teilweise am britischen Vorbild orientierte. In den folgenden Jahren begann daher der journalistische Stern Buchers zu sinken.

Im Jahr 1861 ermöglichte Bucher eine Amnestie die Rückkehr nach Deutschland. Dort arbeitete er zunächst im Wolffschen Telegraphenbüro. Seine Kritik an der Gründung des Nationalvereins führten zur Entfremdung von der demokratischen Bewegung. Allerdings stand er in engen Kontakt mit Ferdinand Lassalle. Obwohl Bucher und Lassalle kaum politische Gemeinsamkeiten hatten, war Bucher Herausgeber einiger Schriften von Lassalle. Dieser machte ihn überdies zu einem seiner Testamentvollstrecker und hinterließ ihm eine Rente.

Im Jahr 1864 holte ihn Bismarck ins Außenministerium. Dort stieg er bis 1866 zum vortragenden Rat auf. Bucher wurde zu einem der engsten Vertrauten Bismarcks. So hat er zusammen mit einigen anderen hohen Beamten die ersten Entwürfe zur Organisation und Verfassung des norddeutschen Bundes verfasst. Im Vorfeld des deutsch-französischen Krieges als die Kandidatur eines Hohenzollern für den spanischen Thron anstand, war Bucher auf diplomatischer Mission in Madrid. Ihm diktierte Bismarck die umgearbeitete Emser Depesche. Nach der Kriegserklärung Frankreichs zeigte sich Bucher zufrieden mit dem Erfolg der Politik Bismarcks, die die Franzosen als eigentliche Aggressoren erscheinen ließ.

Nach der Reichsgründung wurde Bucher zum wirklichen geheimen Legationsrat und vortragenden Rat im Auswärtigem Amt des Reiches ernannt. Bis in die späten 1870er Jahre gehörte er zum engsten Umfeld Bismarcks. So war Bucher auch am Berliner Kongress beteiligt. Dies änderte sich zeitweise als Bucher 1878 die Aufgabe erhielt, einen Entwurf zum geplanten Sozialistengesetz zu liefern. In der anschließenden Debatte über das Gesetz machte Karl Marx Buchers frühere Kontakte mit ihm selbst und dessen Vermittlungstätigkeit bei den Gesprächen zwischen Bismarck und Lassalle öffentlich. Diese Berichte führten dazu, dass Bucher immer stärker ins politische Abseits geriet.

Im Jahr 1886 ging er in Pension. Später war Bucher aber nach der Entlassung Bismarcks 1890 dessen persönlicher Berater. An dessen Autobiographie Gedanken und Erinnerungen war Bucher maßgeblich beteiligt.

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Man hat vielleicht vergessen, dass das Wort Gymnasium einen Turnplatz bedeu...
Lothar Bucher
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