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- Leopold Schefer (1784 - 1862) -

Herkunft: Muskau (Oberlausitz), Deutschland

Leopold Schefer war ein zu Lebzeiten sehr bekannter deutscher Dichter und Komponist, Pseudonym Pandira.

Leopold Schefer wurde als Sohn des Muskauer Land- und Armenarztes Christian Gottlob Schefer (1728-1805) und seiner Ehefrau Hanna Sophia (* Schumann, 1752-1808), Pfarrerstochter aus dem nahen Klitten, geboren.

Nach Privatunterricht durch den Vater, dann durch den Rektor der Muskauer Stadtschule Andreas Tamm und den Hofrat Johann Justus Röhde (auch: Rhöde) besuchte er von 1799 bis 1804 auf das Gymnasium in Bautzen. In dieser Zeit begann er zu schreiben und zu komponieren; sein Musiklehrer war der Kantor Johann Samuel Petri. Er lebte danach bis 1816 wieder in Muskau, Von 1812 bis 1816 vertrat er erfolgreich den abwesenden Standesherrn Hermann von Pückler-Muskau als dessen „General-Inspector“. In diese Zeit fällt auch seine Englandfahrt, die er 1814 gemeinsam mit Pückler unternahm, zahlreiche Parks mit ihm besuchte und auf der Bühne von Eliza O'Neill so beeindruckt wurde, dass sie in seinem Werk wiederholt erscheint.

Anschließend ging er nach Wien, wo er Medizin, weitere Fremdsprachen - er brachte es schließlich auf insgesamt 11 - und vor allem Musik bei Salieri studierte. Von da aus trat er seine ausgedehnten Reisen, meist zu Fuß, durch den östlichen Mittelmeerraum an, die er seine „Lebensuniversität“ nannte: nach Italien, Malta, Attika und die Peloponnes, Chios, Ägypten, Palästina, Syrien, Anatolien und Konstantinopel.

Er kehrte im Dezember 1819 nach Muskau zurück, heiratete 1821, baute sich ein Haus nach eigenen Entwürfen und wurde Vater eines Sohnes und vierer Töchter. Danach reiste er – trotz vieler Pläne – nur noch sehr wenig (Dresden, Stuttgart, Berlin, Branitz, Döbschütz[4]) und lebte zunächst sehr erfolgreich von seiner Feder. Als Komponist war er jedoch echolos. Seine pantheistische Weltsicht bewirkte, dass die geistliche Schulaufsicht trotz seiner Popularität seine Aufnahme in die Schullesebücher unterband – eine Erklärung dafür, dass er lange Zeit fast vergessen war. Nach der von ihm begrüßten Revolution im „Kraftjahr 1848“ verlor er nach deren Niederschlagung langsam sein Publikum und starb 1862 in Muskau.

Sein Grabstein aus Lausitzer Syenit steht auf dem Friedhof, in Sichtweite seines Hauses.

Schefer war als Schriftsteller von den 1820er Jahren bis zur Jahrhundertmitte ein berühmter Autor. Im Zuge der Begeisterung, die der griechische Aufstand 1821-29 gegen das Osmanische Reich in Mitteleuropa auslöste, wurde er 1823 durch seine Griechennovelle „Palmerio“ rasch bekannt. Seine durch Länder- und Menschenkenntnis und bildhafte Erinnerungen authentischen Novellen und Romane fanden sich in vielen Taschenbüchern und Almanachen. Als seine besondere Stärke galt die Schilderung von Naturkatastrophen.

Schefers Laienbrevier von 1834/35 (eine Sammlung von formal gewollt anspruchslosen Lehrgedichten in ungereimten Jamben für jeden Kalendertag) erlebte bis 1898 21 Auflagen (auch engl. und poln.). Nach dem Scheitern der Revolution von 1848, deren literarische Vorkämpfer ihn als kundigen, spannenden, sozialkritischen und vorurteilslosen Autor geschätzt hatten, geriet er trotz der Wiederbelebungsversuche von Theodor Storm (Hausbuch aus deutschen Dichtern, 1870), Theodor Paur, Carl Werckshagen (Plan einer Werkausgabe 1897), Hans Benzmann (Die deutsche Ballade, 1913) u. a. ab 1900 allmählich in Vergessenheit. In neuerer Zeit hatte sein Werk noch Einfluss auf den Charonkreis (Karl Röttger) und vermutlich auf Jakob Wassermann und Franz Werfel. Erst ab 1961, als Arno Schmidt Schefer in seinem Belphegor. Nachrichten von Büchern und Menschen als „ein[en] gute[n] Meister zweiten Ranges“ rühmte, kam er wieder zu einem gewissen Ansehen.

Schefer hinterließ ein umfangreiches Werk, wobei die ungedruckten Werke (vor allem Tagebücher, Konzepte eines Romans über Friedrich Stapß, Gedichte, zahlreiche Kompositionen, darunter bedeutende Lieder und eine unvollendete Oper) sein gedrucktes Oeuvre (Romane, Novellen, Lyrik – insgesamt 12 Bände „Ausgewählte Werke“, 1845-46) noch an Umfang übertreffen.

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